Abwrackprämie 2.0 - es geht in die Verlängerung
Trotz starker Kritik aus vielen Richtungen will die Bundesregierung die beliebte Umweltprämie nicht nach Verbrauch der bisher vereinbarten Fördermittel stoppen
Die Ursache könnte natürlich eine mögliche Verärgerung der Wähler im Superwahljahr sein - dabei ist die Abwrackprämie eines der wenigen erfolgreichen Projekte der großen Koalition. Ökonomen und Analysten sehen die Prämie natürlich in einem anderen Licht. Sie kurbelt das Geschäft der deutschen Autohändlern seit Januar erheblich an, vor allem Kleinwagen wie der Fiat Panda oder der VW Polo sind fast ausverkauft. Die Anzahl an Neuzulassungen ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Fünftel gestiegen.
Die ursprünglich geplanten 1,5 Milliarden Euro an Fördermitteln reichen nur noch wenige Wochen (600.000 Prämien). Merkel und Steinmeier haben sich nun doch für eine Aufstockung entschieden, um den Run auf die Autohäuser weiter anzutreiben. Ökonomen halten diese Maßnahme jedoch für wenig hilfreich im Bezug auf die schwächelnde Konjunktur. Und die Vertreter anderer Branchen beschweren sich, da lediglich die Autoindustrie davon profitiert. Sie kostet Milliarden an Steuergeldern, welche in eine Branche investiert werden, die in den letzten Jahren nicht wirklich für positive Schlagzeilen gesorgt hat. Außerdem ist die Umweltprämie für die meisten großen Autohersteller wenig förderlich, vor allem jener, welche im Premiumsegment platziert sind. Die ausländische Konkurrenz, wie Daihatsu, Hyundia und Lada profitiert dabei erheblich von der Umweltprämie, lediglich Opel hat im Kleinwagensegment einen leichten Zuwachs zu verzeichnen. Den großen Autobauern, wie Mercedes-benz, BMW und Audi bleibt dabei kaum etwas von der Prämie. Kritiker sehen in der Entscheidung von Merkel und Steinmeier lediglich Populismus, um die Wähler gut zu stimmen.
Ab kommenden Montag wird das neue Verfahren zur Umweltprämie in Kraft treten. Von diesem zeitpunkt an können beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) die Abwrack-Anträge nämlich erstmals online gestellt werden, des Weiteren ist von nun an eine reservierung der Prämie möglich.
Branchenkenner schätzen, dass in den Autohäusern Deutschlands noch mehrere 100.000 unbearbeitete Anträge liegen. Mit der Umstellung auf die Online-Antragsstellung wird die Abwrackprämie wohl schneller aufgebraucht sein, als manchem Verbraucher lieb ist. Ein intellegenter Schachzug im Wahlkampf wäre eine Aufstockung der Umweltprämie somit allemal.
Welche Daten im Online-Antrag zur Abwrackprämie erhoben werden, erfahren Sie hier.